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2015 - Pressestimmen

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Neue Presse Coburg, 6. Oktober 2015 - Feuilleton

Virtuose Romantik
Die Kronacher Klassik-Akademie ist mit einem Konzert großer klassischer Werke über sich hinausgewachsen. Die Musiker stellten einmal mehr ihr Talent unter Beweis.
von Dr. Peter Müller

Am Sonntag fand das zwölfte Konzert der in Privatinitiative gegründeten Kronacher Klassik-Akademie statt. Dank vieler Helfer ... können die vielen Mitglieder des semiprofessionellen Laienorchesters an drei konzentrierten Wochenenden zu einem großen Sinfonieorchester zusammenwachsen, das dank seines jugendlich frischen musikalischen Leiters Burkhart M. Schürmann höchsten Anforderungen der Musikliteratur gewachsen ist. Der Sinfonische Frühschoppen und das Abschlusskonzert bieten zudem immer wieder jungen hoffnungsvollen Künstlern der Region ein Podium, vor einem großen Auditorium ihr Talent unter Beweis zu stellen und ihre Freude am Musizieren mit einzubringen.

In diesem Konzert waren gleich zwei Solisten zu bewundern, die mit ganz unterschiedlichen Klangwelten beeindruckten. Isabella Pflaum ... steht zwar schon im Berufsleben, doch ihre Liebe zum Waldhorn bleibt bestehen. Mit dem "Konzertstück für Horn und Orchester op. 94" von Camille Saint-Saëns demonstrierte sie in einer hornspezifischen Komposition der jugendstilbewegten Spätromantik den Reiz, dem - im Gegensatz zur Posaune - schiefgewickelten Rohr des Instrumentes dank ausgefeilter Techniken Töne zu entlocken, die den Hörer in eine berauschend neue Klangwelt versetzen. Das Konzertstück verbindet in vollendeter Klarheit und bestechender Aufmachung der Saint-Saëns'schen Kunst ausgewählter Klangfarben drei Sätze zu einer sinfonischen Dichtung, die nach der heroischen Melodie mit entschlossener Rhythmik im Orchester dem Soloinstrument freien Raum lässt. Nach stiller Rückerinnerung und empfindsamem Innehalten des mit wenigen Bläsern verstärkten Streichorchesters, zu dem Isabella Pflaum mit großem Atem und gestopfter Verfremdung des Klangs eine Echo-Romanze sang, geht es mit romantischem Hochgefühl und einem hoch auffliegenden Bogen farbiger Klänge im Horn kraftvoll dem Ende entgegen. Auf dem epischen Orchesterteppich beenden die Pauken die Höhenflüge des Solos und beste geistreiche Unterhaltung.

Dem schloss sich das "Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314" von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Solisten Michael Hertel aus Kronach an. Nach dem romantischen Wohlklang präsentierte Michael Hertel spritzige, pfiffig gewitzte Spielkunst und Musizierfreude in klassisch ebenmäßigem Mantel. Gewissermaßen spitzbübische Humoresken im Schlafrock. Das Konzert beginnt mit hinreißender Gute-Laune-Musik, auf die im Adagio non troppo mit gewichtiger Kontrapunktik eine romantische Arie für die Oboe folgt, in der der Solist mit großer Ausdrucksstärke und lieblicher Gesangsstimme brillierte. Ein Rondo allegretto mit Pfiff sorgte mit verschiedenen Variationen für einen rasanten Kehraus des Solistenkonzertes.

Die vom Publikum durch ihren Applaus heftig geforderte Zugabe der beiden Solisten rief ein wunderschönes Musikstück ins Gedächtnis und brachte - dank der orchestralen Neufassung Burkhart Schürmanns - das unbekannte "Air Arabe" von Heinrich Molbe alias Heinrich von Bach - vom Salon in den Konzertsaal. In wunderbarer Weise vereinten sich darin die zwei Klangwelten von Waldhorn und Oboe, auch von Mozart und Saint-Saëns in gewisser Weise, miteinander zu einer exotischen und träumerischen Melange.

Solist des dritten Programmpunktes war das Orchester selbst. Mit der "Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68" von Johannes Brahms stand ein absolutes Highlight der Symphonik an, bei dem die Kronacher Klassik-Akademie unter der mimischen und gestischen Hilfe und Obhut ihres Dirigenten, der zwischen den Werken einen mitreißenden und kundigen Moderator abgab, eine geschlossene Leistung gut eingestimmter Orchestergruppen darbot.

Die dicht vernetzten Keimzellen der Brahms'schen Klangbilder begann das Orchester mit alpenländischer Wucht, in die sich zarte Naturlaute mit der Solo-Oboe, Horn und Fagott oder Flöte und Klarinette einschleichen, um ein breites spannungsgeladenes Landschaftsgemälde zu schaffen. Choralartige Partien drücken sakrale Gefühle aus, die den Himmel, die Auflösung der tonalen Spannungen nur andeuten, aber immer wieder auf die Erde zurückholen.

Die Fülle des Guten auf Erden, in der Natur und menschlicher Bescheidenheit, wird im zweiten Satz zwischen viel Gutem und Misslungenem ausgebreitet, aber bleibt nach draußen und oben offen. Nach den Soli von Oboe und Klarinette besiegelt die Solovioline die heimische Idylle. Mit den Holzbläsern und Streichern braust im dritten Satz eine tänzerische und konzertante Melodie auf, deren religiöser Hintergrund erst nach den Naturlauten einer volkstümlichen Alphornmelodie zu einem tief emotionalen Hymnus führt, der bei allen Irrungen und Wirrungen zwischendurch als "Lied ohne Worte" bestehen bleibt. Zaudern und Wutausbrüche werden melodisch triumphal dialektisch aufgehoben und in hymnischer Freude und Herrlichkeit mit Pauken und Posaunen fest eingeschlagen. Donnernder Beifall und Bravorufe würdigten das großartige Konzert.

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Fränkischer Tag Bamberg, 6. Oktober 2015 - Ausgabe Kronach

Musikalischer Aufruf zu Engagement
Zwei Solisten und ein großes Orchester überzeugen bei der Kronacher Klassik-Akademie mit hoher Professionalität
von Marie Bous

70 Orchestermusiker, zwei Solisten und viel Engagement - so könnte man die Kronacher Klassik-Akademie in diesem Jahr zusammenfassen. Bereits seit 2003 finden sich dafür jedes Jahr Anfang Oktober Künstler vorwiegend aus der Region zusammen, um mit bekannten Größen gemeinsam zu musizieren.

Das alles unter einen Hut zu bekommen ist keine leichte Aufgabe, der sich Burkhart M. Schürmann immer wieder stellt. An drei Wochenenden wird intensiv geprobt, dann stellt man sich in zwei Konzerten vor - morgens zum "Sinfonischen Frühschoppen" und nachmittags zum "Abschlusskonzert". Der Frühschoppen bietet zudem Auskünfte über Instrumente, Werke und Komponisten.

Obwohl die Orchesterbesetzung jedes Jahr wechselt, bewegt sich die Qualität auf hohem Niveau: Der Wechsel zwischen gefühlvoller Begleitung der Solisten und dynamischen orchestralen Zwischenspielen - wie beim Konzertstück für Horn und Orchester von Camille Saint-Saëns - war geradezu professionell. Isabella Pflaum, die ihr Instrument neben dem Hauptberuf als Marketingmanagerin pflegt, gab außerdem innerhalb der Moderation des Dirigenten Beispiele der Naturtonreihe des Horns.

Als zweiter Solist stand mit dem Oboisten Michael Hertel ein Kronacher Gewächs vor dem Orchester, mit dem er die Freude hatte, Mozarts C-Dur Konzert KV 314 spielen zu dürfen. Schürmann erklärte, dass Mozart dabei quasi ein Baukastensystem von kurzen Episoden verwendete. Zum besseren Verständnis dieser Kompositionstechnik brachte das Orchester passende Beispiele, mal mit, mal ohne Schnörkel. Im Durchlauf erklang der Allegro-Satz dann frisch und frei schwingend mit schön ausgespielter Kadenz. Adagio non troppo zeigte sich weich und zart und das freche Rondo von überschäumender Spiellust.

Eine Zugabe für beide Instrumente und Orchester gemeinsam zu finden war nicht leicht. Bei einem unbekannten Wiener Komponisten wurde man jedoch fündig: Heinrich Molbes, so nannte sich der Jurist Heinrich von Bach (1835-1915) als Musiker "Air Arabe" hat Schürmann für Orchester eingerichtet und so erklang das einschmeichelnde Werk als "Uraufführung" im Konzert.

Nach einer Pause gingen der Dirigent und das jetzt in den Holzbläsern verstärkte Orchester ein monumentales Werk an: die vom berühmten Dirigenten Hans von Bülow so genannte "10. Sinfonie Beethovens", nämlich Johannes Brahms 1. Sinfonie op. 68. Lange hatte dieser sich Zeit gelassen, eine Sinfonie zu veröffentlichen, weil Beethovens Glanz so stark strahlte. Was er dann vorlegte, kam bei den Zeitgenossen nicht so gut an, wurde gar als rückwärtsgewandt beschrieben, ist aber heute eine tragende Säule im Konzertleben. Besonders die in mehrere Abschnitte unterteilten Ecksätze bestechen durch ihren weit schwingenden Duktus. Der erste Satz entwickelt sich aus einem lediglich drei Töne umfassenden chromatischen Anstieg, der gekoppelt wird mit absteigenden Terz- und Sextfolgen. Schürmann beschrieb diese Abschnitte als "Erbinformation", die in der gesamten Sinfonie nachzuweisen sei. Als Besonderheit kommt im letzten Satz noch ein Alphorngruß hinzu, den Brahms in der Schweiz vernommen, auf eine Postkarte notiert und seiner Seelenfreundin Klara Schumann geschickt hat. Aus diesem langsam schwingenden Lied macht er "ein Bekenntnis zwischenmenschlicher Solidarität", das, so der Dirigent, gerade in der derzeitigen Lage in Europa und der Welt wichtig sei. Als stellvertretender Leiter der Berufsfachschule für Musik warb Schürmann in diesem Zusammenhang, in Schubladen oder auf Dachböden schlummernde Instrumente der Schule leihweise zur Verfügung zu stellen, um Flüchtlingskinder damit unterrichten zu können. Freiwillige Lehrkräfte haben sich hierfür bereits zur Verfügung gestellt.

Am Tag nach den großen Feiern zu "25 Jahre Deutsche Einheit" erklang somit an diesem Sonntag ein würdiges musikalisches Statement für menschliches Miteinander und Engagement für eine Sache, die es wert ist, weiter gepflegt zu werden.



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)