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2013 - Pressestimmen

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Neue Presse Coburg, 8. Oktober 2013 - Feuilleton

Romantische Himmelsklänge
“À la française” erklimmt die Kronacher Klassik Akademie den Gipfel der Symphonik.
von Dr. Peter Müller

Das zehnte Sinfoniekonzert der Kronacher Klassik Akademie wurde zu einem wirklichen Highlight. Die großartige Entwicklung dank des engagierten, ideenreichen und wagemutigen musikalischen Leiters Burkhart M. Schürmann und seines begeisterungsfähigen 70-köpfigen Klangkörpers aus jungen und jung gebliebenen leidenschaftlichen Musikern aus ganz Oberfranken gipfelte am Sonntag in einer Symphonik der himmlischen Extraklasse. Und das große Publikum der beiden Veranstaltungen genoss diese Leichtigkeit und Wucht romantischer Impressionen “à la française” - “wie Gott in Frankreich”.

Auf den Konzertschluss verweisend setzt sich eine choralartige Liedmelodie über einem hartnäckigen Ostinato der tiefen Töne in der temporeichen, energischen und virtuosen “Toccata für Orgel solo” aus der “5. Orgelsinfonie op. 42/1” von Charles-Marie Widor (1844-1937) triumphal durch, und Solist Wendelin Treutlein konnte den Raum füllenden Klang seiner Orgel in voller Pracht in das Atrium der lichten Maximilian-von-Welsch-Realschule stellen.

Nach dem Dank Rainer Kobers ... an alle Mitwirkenden und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Projekts ... ließ Anna-Maria Frankenberger als Solistin an der Harfe das “Konzertstück Ges-Dur op.39” von Gabriel Pierné hell und klar, melodienselig und transparent duftig aufblühen. Das Bild der aufgehenden Sonne, des Erwachen des Tages, blühender Wiesen und perlender Wasser einer weiten Landschaft ersteht, auf dem immer mehr Leben erwacht und in einem bunten Treiben vor der Klangkulisse des Alltagsgeschehens, das aus dem Orchester groß und fremd die Natur verstört, sein Recht fordert. Aus der weiten, in sich ruhenden stillen Welt erhebt sich mit den Streichern ein majestätisches Thema, dem das ganze Orchester dynamisch beisteht, das von der Soloharfe in stiller Freude zufrieden reflektiert und in das Klangpanorama eingezeichnet wird. Bedrohliche Momente mit Paukengrollen und Pizzicatoschärfe begleiten diesen musikalischen Tagesablauf; es geht hin zu Spiel und Tanz und launischer Hochstimmung, die im Finale einen erfüllten und gelebten Tag prächtig ausklingen lässt.

Nach der Harfe der jungen Solistin Anna-Maria Frankenberger kam ein zweites einschmeichelndes Instrument mit Ines Hauer als Solistin zu Geltung: die Oboe. Mit der impressionistischen “L’Horloge de Flore”, der blütenreichen Blumenuhr von Jean Francaix (1912-1997), ließ Ines Hauer ihre Oboe von drei Uhr früh bis 21 Uhr nachts von pastoralen Hirtenklängen über frechen zackigen Rasselbanden bis hin zu südamerikanischen Tänzen und Jugendstil-Salon-Musik in Nachtbars ganz Paris zum Leben erwachen und die Schönen der Nacht facettenreich im Pariser Nachleben mit Hopsern und Schleichern ausklingen. Dramatische Temperamente und spannende Charaktere der Solooboe, gerankt um exotische Blumen und im Wettstreit mit der Soloklarinette von Walter Gossel (“Nyctanthe du Malabar”) oder dem Solocello von Ulrike Gossel (als Gitarre in “Belle de Nuit”). Das Orchester sorgte für angemessene Temperatur und genügend Nahrung für diese leuchtend farbigen Blütenerlebnisse in der Großstadt.

Zur mit lautstarkem Applaus und Bravorufen aufgeforderten solistischen Zugabe fanden sich Anna-Maria Frankenberger und Ines Hauer zu einem Duo “Sicilienne” zusammen, in dem beide die romantischen Solokonzerte anrührend abrundeten.

Den Höhepunkt der Symphonik erreichte Burkhart M. Schürmann letztlich mit dem gewaltigen Orchester samt Orgel, Klavier vierhändig, sämtlichen Kontrablasinstrumenten und Pauken in der “Sinfonie Nr. 3 c-Moll op 78”, der “Orgelsinfonie” von Camille Saint-Saens (1835-1921), in der der sensible Impressionist, der Komponist des “Schwans” aus dem Karneval der Tiere, die musikalische Macht und klingende Pracht eines Hector Berlioz und Frankreichs gegen die Vorherrschaft der deutschen Symphonik eines Brahms ins Feld schickt, und dabei auch vor den “musikalischen Gewaltmitteln” eines Franz Liszt nicht zurückschreckt.

Aus der Keimzelle von vier Tönen entwickelt sich in den auseinander hervorgehenden Sätzen des Werkes von 1886 sanfte dynamische Melodik, spitze verspielte bis wilde Scherzhaftigkeit, tänzerischer Sinnenrausch - aber mit den attakierenden Tutti zur markerschütternden Orgel, umhämmert vom vierhändig gespielten Klavier und erschüttert von den Paukenschlägen eben auch eine große majestätische Macht des “Dies irae” und stürzende Höllenfahrten wie der Ausblick auf himmlische Erlösung.

Burkhart M. Schürmann stellte fest, das das Publikum “nicht unbeeindruckt” war, und beschloss das faszinierende Konzert mit dem deutsch-französischen “Ave Maria” von Charles Gounod (nach dem Prelude zum Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach). Das große Orchester präsentierte mit seinen Solisten und einem aus dem Nichts auftauchenden Chor der Berufsfachschule für Musik dieses Werk in seiner unausweichlichen Schönheit.



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)