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2010 - Pressestimmen

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Neue Presse Coburg, 5. Oktober 2010 - Feuilleton

Romantik pur in Kronach
von Dr. Peter Müller

Romantik pur war beim 7. Konzert der Kronacher Klassik Akademie mit jungen Musikern aus ganz Oberfranken angesagt. Nur zum Entrée wurde am Sonntag beim Abschlusskonzert in der Maximilian-von-Welsch-Realschule mit der “Fanfare pour précéder La Péri” (1912) von Paul Dukas (1865-1935) ein kleines Zugeständnis an die nicht stilgebundene Musik gemacht.

Danach herrschte spätromantisches Wohlgefühl. Das große und vielseitige Werk des Kölner Komponisten Max Bruch (1838-1920) stand im Mittelpunkt des Programms, das der musikalische Leiter des Jugendorchesters, Burkhart M. Schürmann, ausgewählt hat. Mit dem “Konzertstück für Violoncello und Orchester d-Moll, op. 47 – Kol Nidrei” verzauberte Ulrike Maria Gossel. Lyrische Klänge nach hebräischen Melodien zum Gebet des Vorsängers für das Yom-Kippur-Fest konnten die andächtig bewundernden Musikkenner genießen. Tief klagend und mächtig hoffend spielte Ulrike Maria Gossel höchst einfühlend und mit virtuoser Brillanz dieses von Harfe und vollem Orchester samt Pauken sanft begleitete Lied traumhaft zu einem bejubelten Ende.

Von schottischen Volksliedern und den großen historischen Romanen von Sir Walter Scott ließ sich Max Bruch zu der salonfähigen virtuosen “Schottischen Fantasie für Violine und Orchester Es-Dur, op. 46” inspirieren. Gefühlte Verbundenheit zu den Highlanders zeichnet dieses große Violinwerk aus. Bruch hatte es für den spanischen Wundergeiger Pablo de Sarasate geschrieben und der junge Konzertmeister des Oberfränkischen Jugendorchesters wie der Klassik Akademie, Johannes Klumpp wurde dieser hohen technischen Herausforderung gerecht. In den fünf Stationen des groß angelegten Violinkonzertes, die von düsteren Schlussruinen und von ehemaliger Macht Schottlands erzählen bis hin zu heiteren und ausgelassenen Tänzen der Landleute wogte eine gewaltige Orchestermusik, überhöht von der konzertanten Violine.

Nach diesen überzeugenden Solisten, denen auch zwei hervorragende Harfinistinnen – im ersten Bruch-Stück Janina Frankenberger; im zweiten Stefanie Holm – wesentlich zur Seite standen, kam im abschließenden Werk das Orchester als Solist zu voller Geltung. In den drei Wochenendproben studierten die jungen Musiker/innen nicht nur alle vorherigen Werke ein, sondern zusätzlich die “Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 73” von Johannes Brahms (1833-1897). Die vier Sätze dieses großen Meilensteins der Sinfonik nach Beethoven stellen mit ihren metrischen, synkopistischen, rhythmischen “Unkorrektheiten” eine Herausforderung an jedes Profiorchester und auch an alle Hörer dar. Korrekte und nahezu perfekte “Incorrectness” bot die Klassik Akademie mit ihren “Jungprofis”. In einem dynamischen, höchst differenziert intonierten Kraftakt brachten sie die Strukturen und Modulationen dieses nahezu experimentellen Werkes an den Tag. Ernste Spielbegeisterung bewegte das Orchester, um erfolgreich alle Klippen dieser in allen Orchesterteilen unterschiedlich agierenden Ströme zu meistern. Allen Solisten wie dem Orchester galt ein frenetischer Beifall.
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Fränkischer Tag Bamberg, Lokalteil Kronach, 6. Oktober 2010

Alle Musiker sind Feuer und Flamme
Die Kronacher Klassik Akademie präsentierte im siebten Jahr ihres Bestehens
ein erlesenes Programm, das der Romantik gewidmet war
von Marius Popp

Zwei große herausfordernde Namen standen auf dem Programm: Max Bruch (1838-1920) und Johannes Brahms (1833-1897). Die Kronacher Klassik Akademie (KKA) vereint auf gelungene Art Jung & Alt aus der Region mit dem Ziel, gemeinsam zu musizieren; eine edle Angelegenheit.

Der mächtige Klangkörper wurde von Burkhart Schürmann künstlerisch geleitet, der auf sympathische und charmante Weise zu den Werken und zwischen den Sätzen der Symphonie eine fundierte Einführung mit musikalischen Beispielen gab. Der symphonische Frühschoppen erfreute sich trotz der frühen Uhrzeit (11 Uhr) eines regen Zuspruchs. Das ganze Konzert verlief in einer netten und familiären Atmosphäre.

Im ersten Werk von Bruch war die Cellistin Ulrike Maria Gossel in “Kol Nidrei”, Konzertstück nach hebräischen Melodien für Violoncello und Orchester d-Moll op. 47 zu hören. Die Solistin ließ sich stark von der Thematik der Komposition inspirieren und mitreißen – und entsprechend nachdenklich, zart, wehmütig, sensibel und gefühlsstark war ihre Interpretation. Mit einem angenehmen Vibrato, virtuosen Läufen, großen musikalischen Bögen und feinsinniger Agogik sorgte sie für eine gelungene solistische Interpretation, die unaufdringlich und zurückhaltend durch das Orchester unterstützt wurde.

Im zweiten Werk von Bruch, der fünfsätzigen “Schottischen Fantasie” für Violine und Orchester Es-Dur op. 46, brillierte der Konzertmeister der KKA, Johannes Klumpp. Bruch legte als Grundlage für seine Komposition verschiedene Volkslied-Melodien, die durch ihren unterschiedlichen Charakter zu einer farbigen und mitreißenden Fantasie geführt wurden. Genau so vielfältig und vielfarbig war die solistische Leistung des Violinisten. Seine brillante und temperamentvolle Technik vor allem im letzten Satz, die sichere Intonation, seine Tongebung mit und ohne Vibrato, sowie sein unverwechselbares, wunderbar angenehmes Timbre aus einem samtweichen Vibrato zeichnen seine große Begabung aus und lassen ihn als stilsicheren Interpreten gelten. Das Publikum musste bereits nach der ersten Fantasie schon seine Leistung mit entsprechendem Beifall honorieren. Auch hier erwies sich das Orchester als ein zuverlässiger Begleiter.

Nach der Pause stand der große und mächtige deutsche Romantiker Johannes Brahms mit seiner zweiten Symphonie in D-Dur op. 73, die auch für Profi-Orchester eine große Herausforderung ist, auf dem Programm. Charaktervoll wurden die einzelnen der vier Sätze ausgearbeitet und präsentiert. Schwere rhythmische Verkettungen wie der versteckte Walzer imponierten in der Wiedergabe. Auf den Gesichtern konnte man die Freude am Spielen und Musizieren dauernd ablesen. Der letzte schwungvolle und technisch äußerst anspruchsvolle Satz, der die Musiker bis fast an ihre Grenzen brachte, mündete in einen stürmischen und mächtig klangvollen Schluss, was den Musikern stürmischen und lang anhaltenden Beifall bescherte. Und das mit Recht! Sie waren Feuer und Flamme.



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)