Besuchen Sie uns auf Facebook

2009 - Pressestimmen

Startseite > Rückblick > KKA 2009 > Pressestimmen

Neue Presse Coburg, 6. Oktober 2009 - Feuilleton

Feurige musikalische Träume der Puszta
Klassik Akademie Kronach berauscht mit ungarischen Bildern -
Genüsse für alle Sinne geboten

Von Dr. Peter Müller

Burkhart M. Schürmann und sein Jugendsinfonieorchester der Klassik Akademie Kronach widmete das begeisternde Konzert am Sonntag in der akustisch überragenden Maximilian-von-Welsch-Realschule ganz den ungarischen Impressionen von Bartók bis Liszt. Der Sinfonische Frühschoppen ging ganz neue Wege. Im Zeichen der freudigen und liebevoll melancholischen Klänge der Entdecker eigener, von Folklore ebenso wie von den zeitgenössischen Strömungen der Gegenwartsmusik progressiv inspirierter, heimischer Musik wurde ein neues jugendliches Szenario des kulinarischen Musikgenusses aus der Taufe gehoben.

Vor dem abendlichen Abschlusskonzert im klassischen Rahmen, öffnete die Matinee untypisch und spezifisch "All’ungherese" ihr Fenster sinfonischer Musik für die Einblicke in Leitthemen und besondere Elemente der Komposition. Stephanie Simon präsentierte auf sehr angenehme und stimmige Art Einführungen zu den Komponisten, den Werken und den Wirkungen. Das Orchester lieferte dazu kurze Werkausschnitte, um danach jedes Stück vollständig zu Gehör zu bringen.

Mit einem kulinarischen Hochgenuss, zu dem das strenge Konzertkonzept mit kleinen Tischen salonmäßig aufgebrochen wurde, wartete zwischen jedem einzelnen Werk die Hobbyküche der Realschule mit ungarischen Spezialitäten des Essens und Trinkens auf. Angeregte Gespräche bei ungarischem Wein und Gulaschsuppe, Kinderjauchzen waren dabei ebenso in diesen Verwöhnminuten angesagt, wie der sinnliche Genuss der temperamentvollen Musik und der frenetische Beifall für die 75 jungen - und einige jung gebliebenen - Musikerinnen und Musiker des großen Orchesters. Ein gelungenes neues aufgeschlossenes Konzertkonzept, das das Publikum begeistert annahm.

Mit dem "Präludium" für zwei Trompeten und Streichorchester von Burghard Fussek (1942-1999) eröffnete das Orchester mit den Solisten Armin Müller und Markus Fuchs festlich und im festlich barocken Stil, mit Pauken und Trompeten das Konzert. Die Schürmann-Sinfoniker gedachten dabei an einen der für den musikalisch bis heute trotz seines Todes wirksamen Musikpädagogen und Komponisten in Kronach, der mit seinem menschlichen Engagement viele junge Menschen zur Musik und ins große Musikleben gebracht hat. Stephanie Simon rief seine Idee eines Projektorchesters ins Leben, das von Burkhart Schürmann zur Klassikakademie ausgebaut wurde und seit sechs Jahren sowohl in der Stadtpfarrkirche wie jetzt im lichten Neukonstrukt des Schulfoyers Erfolge feiert.

Mit den "Ungarischen Bildern" (Magyar képek, Sz 97) von Bela Bartók (1881-1945), einem antifaschistischen Kosmopoliten zwischen Ungarn, Österreich und den USA, kamen die träumerischen Melodien der Puszta in das waldreiche und kühle Franken. "Ein Abend auf dem Lande" zeigte die Stille und durch geöffnete Fenster die Tanzlaune im Zwitschern der Klarinetten und Flötenklänge. Hörner und Blech ließen den tollpatschigen "Bärentanz" lebendig werden und nach einer verträumten "Melodie" torkelte ein Mensch "Etwas angeheitert" seinem Bett entgegen. Mit dem "Schweinehirtentanz" kam wieder Leben und Appetit auf die Gulaschsuppe in die Klause.

Franz Doppler (1821-1883) stellte gegenüber dem Volksliedforscher und auch an Schönberg orientiertem Neuerer ungarischer Musik Bartók noch das alte Ungarn dar. Seine "Fantaisie pastorale hongroise op. 26" erinnerte an das Wiener Blut der Ungarn, an den wiegenden Rhythmus von Walzer bis Mazurka und das effektvolle Rauschen der Harfen und operettenhafte Singen der Geigen. Über allen aber schwebt mit großem Ton und virtuosestem Spiel die Soloflöte. Lyrisch-elegisch in stetiger Variations- und freier Interpretationsbereitschaft, der sich das Orchester dank seines musikalischen Leiters schön anpasste, verzauberte Romina O. Saak die hingerissenen Musikfreunde. Ein Stück wie ein Crescendo zu effektvollster Salonmusik.

An Bartók dagegen schließt Leo Weiner (1885-1960) an. Seine Kompositionen, die der deutschen Romantik verpflichtet sind, gehören zu den sympathischsten Beiträgen des ungarischen Tonschaffens. Er schrieb Kammermusik und Sinfonik in "gemäßigter Moderne", wobei die traditionellen Kombinationen von Horn, Harfe, tiefen Streichern und Klarinette. Die kleinen Melodien bauen sich bis zur großen Sinfonik mit Blechbläsern und Schlagwerk auf, burleske Volkstänze unterbrechen die Steigerung des orchestralen Geschehens hin zur absoluten Musik eines weiträumigen Stimmungsbogens. Dennoch bleiben Solovioline, feinfühlig von Konzertmeister Johannes Klumpp intoniert, Harfenrauschen, selige Streicherklänge und weich erklingende Hörner auch in einem fast hymnischen "Schweinehirtentanz" voll erhalten. "Dudelsack, Klagelied, Hirtenspaß, Ballade und Maskentanz" sind die Stationen dieses "Divertimento Nr. 3 A-Dur: Impressioni ungheresi, op. 25".

Mit einem "Husarenstreich" der Orchesterfassung der "Ungarischen Rhapsodie Nr. 2" von Franz Liszt (1811-1886) ging das Konzert, sich mächtig vom sinnlichen Tanz bis zur Polka und zum Marsch steigernd, zu Ende. Der "Ungarische Tanz" von Johannes Brahms setzte als emphatisch gewünschte Zugabe bei diesem besonderen Ungarischen Konzert den Schlussstrich.

Ein großes Konzert, das zugleich die Ausstellung "Freiheit und Demokratie" der deutsch-ungarischen Städtepartnerschaft zwischen Kronach und Kiskunhalas eröffnete und an die Zeit "Vom Abbau des Eisernen Vorhangs bis zum Schengen-Abkommen" erinnert. 20 Jahre Deutsche Einheit und ein gemeinsamer Weg in demokratische Freiheit. Das Konzert wurde sinnenfroh auch den politischen Hoffnungen gerecht.
____________________________________________________________________________

Fränkischer Tag Bamberg, Lokalteil Kronach, 6. Oktober 2009

Tolles Programm einstudiert
Unter dem Motto "All'Ungherese" fand am Sonntag die sechste
Kronacher Klassik Akademie in der Maximilian-von-Welsch-Schule statt

von Marius Popp

Im Foyer war die begleitende Ausstellung "Freiheit und Demokratie" – organisiert und durchgeführt vom Partnerschaftskomitee Kiskunhalas, auch im Hinblick auf die 20-jährige Grenzöffnung – zu sehen.

Stephanie Simon machte in Ihrer angenehm versierten Einleitung darauf aufmerksam, dass sich 75 junge und jung gebliebene engagierte Musiker (zur Zeit von Beethoven hatte ein Orchester etwa 40 Musiker) aus Kronach, aber auch aus der ganzen Umgebung bis hin nach Hof, als Projektorchester für das Abschlusskonzert gefunden haben. An drei Wochenenden haben sie ein tolles Programm einstudiert, worauf Rainer Kober als Vorsitzender von Kronach Creativ einging und dies entsprechend unterstrich.

Als Hommage an Burghard Fussek (1942-1999), dem vor zehn Jahren verstorbenen großen Musikpädagogen in Kronach, der Musiklehrer am Frankenwald-Gymnasium war, erklang das Eröffnungspräludium für zwei Trompeten und Streichorchester im Stil des ausgehenden Barocks. Solisten waren Armin Müller und Markus Fuchs, die mit einem runden und angenehmen Ton überzeugten.

In den fünf "Ungarischen Bildern" von Béla Bartók (1881-1945) konnte das Orchester bereits die große Vielfalt seines Könnens dem zahlreichen Publikum präsentieren. Bartók verarbeitet viele folkloristische Elemente in seiner Musik.

In der "Fantaisie pastorale hongroise" für Flöte und Klavier op. 26 (orchestriert von A. Klautzsch) von Franz Doppler (1821-1883), der selbst ein hervorragender Flötist war, konnte die Flötistin Romina Oliva Saak brillieren. Romantische schwelgerische Stimmung kam auf. Das Orchester folgte aufmerksam den wechselnden Tempi und begleitete souverän die Solistin, die die vielen kadenzähnlichen Teile äußerst virtuos und ausgeglichen im Ton in allen Lagen spielte. Mit stürmischem Applaus wurde sie dafür bedacht.

Der zweite Teil des Abschlusskonzerts wurde durch Blechbläser aus dem Orchester eingeleitet. Sie spielten virtuos und überzeugend im Vortrag von den beiden gegenüberliegenden Emporen aus alte ungarische Tänze aus dem 17. Jahrhundert von Ferenc Farkas (1905-2000).

Auch im "Divertimento Nr. 3" von Leo Weiner (1885-1960) setzte das Orchester mit den ungarischen Impressionen wie Dudelsack, Klagelied oder Hirtenspaß sein harmonisches und ausgeglichenes Zusammenspiel fort, das mit der furiosen "Ungarischen Rhapsodie Nr. 2" von Franz Liszt (1811-1886) den Konzerthöhepunkt erreichte.

Für das gelungene Konzert ist dem künstlerischen Leiter der Kronacher Klassik Akademie, Burkhart Schürmann, zu danken, der mit musikalischer Umsicht und Elan den großen Klangkörper zur Höchstleistung motivierte. "Was sie alle verbindet, ist die Liebe zur klassischen Musik, die sie miteinander teilen", so Schirmherr Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein in seinem Grußwort. Mit viel und lang anhaltendem Beifall forderte das Publikum noch zwei Zugaben.



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)