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2008 - Pressestimmen

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Neue Presse Coburg, 6. Oktober 2008 - Feuilleton

Sehnsuchts-Klänge aus der neuen Welt
Von Dr. Peter Müller

Die “Maximilian-von-Welsch Fanfare” für 10 Blechbläser von Burkhart M. Schürmann, dem innovativen stellvertretenden Leiter der Berufsfachschule für Musik in Oberfranken, hätte durchaus noch länger andauern können. In dem riesigen Konzertsaal von St. Heinrich in Steinbach am Wald war diese klare und melodische Intrada von in drei Bläsergruppen geteilten Blechbläsern eine dem folgenden Programm angemessene Begrüßung.

Zum zweiten Mal gastierte das Akademie Orchester aus Franken in Steinbach und feierte sein fünftes Jubiläum mit zwei großen sinfonischen Werken, die dem Initiator einer solchen offenen Projektgruppe von über 80 Musikern, Burghard Fussek (1942-1999), gewidmet wurde. Sein Traum von einem akademischen Jugendorchester wurde mit Burkhart Schürmann 2003 verwirklicht.

Burghard Fusseks Schülerin Barbara Zenk, die 1980 in Kronach geboren wurde und an der Berufsfachschule wie im Studium in Nürnberg und München Erfolge als Pianistin (Preisträgerin bei Jugend musiziert, am Nürnberger Klavierwettbewerb oder zum Concours international de Piano in Lille) verbuchen kann, stand im Mittelpunkt des Konzertes höchst anspruchsvoller und populärer Werke.

Ihre feingliedrige Interpretation des “Concerto in F für Klavier und Orchester” von George Gershwin (1898-1937) war eine klangliche Offenbarung von cooler Virtuosität und engagiertem Durchsetzungsvermögen der Solistin – die auch in gewaltigen Tuttipartien das Heft, die Taste, am harmonisch schönen, aber nicht gewaltigen Flügel des Pianohauses R. Schnell aus Kronach, nicht aus der Hand gab. Wie sie sagte bedurfte es dazu einiger Anstrengung, die ihr aber beim einfühlsamsten Willen keine Miene abtrotzte. Gershwins Konzert in F ist keine leichte Kost, weder für Klavier noch Orchester.

Unter der klaren Stabführung von Burkhart Schürmann zeigte das Orchester disziplinierte Power durch alle drei Sätze: vom Großstadttreiben in New York (Allegro) wie in der “Rhapsodie in Blue” bis zu Musicalträumen (Adagio) im Central Park und dem furiosen Finale im “Allegro agitato”. Jazzige Stimmungsbilder und großer Hollywood-Klang versetzten die Zuhörer voll ins Feeling von “Porgy & Bess”, Blues und Gospel. Konzertmeister Johannes Klumpp wirkte bei vielen Partien als Stabilisator in dieser Südstaaten-Romantik mit rhythmischen Fallstricken.

Nach dem homogenen Streicherklang, ausdrucksstarken Bläserensembles und heftigem Schlagwerk, vor allem aber dem einfühlsamen und angemessen groovenden Feeling und der Standhaftigkeit der Solistin, die “Romeo und Julia” gegen orchestrale Gewalt aufleben ließ, konnte das Finale und der tosende Applaus nur eine begeisterte Woge des Gefühls auslösen.

Die “Sinfonie aus der Neuen Welt” (Sinfonie Nr. 9 e-Moll, op. 95) von Antonin Dvorak (1841-1904) zeigt in ihrem ganzen Temperament, in ihrer Anknüpfung an Moldau- und Donaugefühle böhmischer Folklore, welche Sehnsucht Dvorak gerade in der neuen Welt nach der Heimat gehabt hat. Wohl kaum ein Werk drückt so verzweifelt schön diesen dialektischen Widerspruch eines Künstlers aus. Das Akademieorchester bewies leidenschaftlich die Kraft, die dieser Sinfonie innewohnt und Europa wie die Neue Welt fasziniert. Das große Orchester konnte seine geballte Kraft, nur wenig gezügelt vom Dirigenten, ausleben. Ein mit Spannung erwartetes und voll erfülltes – über Kleinigkeiten ist nicht zu reden – Stimmungsbild großer Orchestermusik brachte den vielen Mitwirkenden und dem ambitionierten musikalischen Leiter anhaltenden Applaus und Standing Ovations ein.
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Fränkischer Tag Bamberg, 7. Oktober 2008 - Ausgabe Kronach

Die Musiker der Kronacher Klassik-Akademie zogen Ihr Publikum in Ihren Bann

Klangerlebnis löst Jubel aus
Von Matthias Simon

Einen doppelten Brückenschlag erlebten die Besucher der Abschlussveranstaltungen zur diesjährigen Kronacher Klassik-Akademie. Mit George Gershwins Concerto in F für Klavier und Orchester und Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9 e-Moll wurden musikalische Brücken von der “alten” in die “neue Welt” gebaut und eine musikalische Brücke auf höchstem Niveau geschlagen.

Was vor einem knappen Jahrzehnt zum Gedenken an den verdienten Musikpädagogen Burghard Fussek (1942-1999) begann, ist zwischenzeitlich zu einem musikalischen Großprojekt herangewachsen, das in Oberfranken seinesgleichen sucht. So ließ es sich auch Axel Kober, Musikdirektor der Oper Leipzig und selbst Fussek-Schüler, nicht nehmen, die Schirmherrschaft für das Projekt zu übernehmen, das jeweils im Herbst viele Musiker nach Kronach zieht.

Das Ergebnis der drei Proben-Wochenenden, das in Steinbach/Wald und Kronach der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hätte Fussek sicher mit großem Stolz erfüllt. Burkhart M. Schürmann, stellvertretender Leiter der Berufsfachschule für Musik in Kronach, hatte ein großes symphonisches Orchester für die Konzerte zusammengestellt: 74 Musiker aus verschiedensten Regionen Deutschlands hatten sich zur Kronacher Klassik-Akademie in der Cranach-Stadt eingefunden.

Zwei Besonderheiten kennzeichneten denn auch die beiden Konzerte: Es wird wohl wenige Orchester geben, die ein solch breites Altersspektrum aufweisen, genauso wie wohl wenige klassische Konzerte einen solch hohen Anteil an jungem Publikum haben dürften. Hier zeigte sich die verbindende Kraft der Musik von ihrer besten Seite.

Eine mächtige Bläser-Fanfare bildete den Auftakt zu einem großartigen Konzertnachmittag. Eigens für das neue Atrium der Maximilian-von-Welsch-Realschule, in der das Kronacher Abschlusskonzert stattfand, hatte der Dirigent diese Fanfare für zehn Blechbläser komponiert. Wie im Dolby-Surround-Kino erklangen die Bläser von der Empore des Atriums und gaben einen guten Vorgeschmack auf das, was die zahlreichen Konzertbesucher noch erwarten sollte.

Hans Blinzler, Rektor der Maximilian-von-Welsch-Realschule brachte in einem kurzen Grußwort seine Freude darüber zum Ausdruck, dass mit einem solch großen Konzert die neue Aula erstmals öffentlich genutzt wurde. Dass - quasi als “Nebeneffekt” - der alte Bechstein-Flügel der Schule restauriert werden konnte und danach erstmals erklang, bezeichnete er als großes Geschenk. Er dankte dafür Rainer Kober von Kronach Creativ, der die Sponsoren für dieses Projekt aufgetan hatte.

Stephanie Simon begrüßte im Namen der Kronacher Klassik-Akademie die Gäste und dankte in deren Namen allen, die durch ihre Mitarbeit dieses große Projekt erst ermöglicht hatten. An diesem Nachmittag könne jeder sehen, was in Zusammenarbeit von Berufsfachschule für Musik, Frankenwald-Gymnasium sowie Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach sowie durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren und Privatpersonen möglich geworden sei.

Mit Barbara Zenk nahm ein in Kronach bekanntes Gesicht am Flügel Platz. Die junge Pianistin, gebürtige Kronacherin und bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet, übernahm den Solopart des Concerto in F für Klavier und Orchester von George Gershwin.

Vom ersten Takt an konnten sich die Besucher davon überzeugen, welch großen Wert Burkhart M. Schürmann bei der Einstudierung auf saubere Intonation und rhythmische Präzision gelegt hatte. Viele Synkopen und jazzige Elemente hatte Gershwin an den Anfang des Concerto gestellt – die gute Akustik der Aula unterstützte das präzise Spiel des Orchesters, ohne den Klang zu verwischen.

Im zweiten Satz, Adagio, hatten die Bläser ihren ersten großen Auftritt und durften abwechselnd mit kleinen Soli mit den Streichern konkurrieren. Gerade in den leisen Stellen bewies Schürmann immer wieder, dass er seine Musiker zu exaktem Zusammenspiel angeleitet hatte. Barbara Zenk als Solistin verstand es, sich diesem Zusammenspiel anzupassen und meisterte ihren Part mit großer Konzentration und Engagement.

Dass Gershwins Musik amerikanisch geprägt ist, kam besonders im dritten Satz deutlich zum Ausdruck. Auch die häufigen Taktwechsel meisterte das Orchester präzise, und neben der Solistin wurden die Bläser und Schlagzeuger am Ende verdient herausgestellt. Mit einer Zugabe aus Gershwins “3 Preludes” entließ Barbara Zenk das Publikum in die Pause.

Als zweiten Brückenschlag hatte Schürmann die 9. Symphonie in e-Moll von Antonin Dvořák ausgesucht, die den verheißungsvollen Titel “Aus der neuen Welt” trägt. Fast verhalten imitieren zu Beginn die Streicher den Aufbruch vom alten Europa in die neue, unbekannte Welt, ehe sich die Weiten und schier unendlichen Möglichkeiten des fünften Kontinents musikalisch monumental vor dem Zuhörer aufbauen. Spätestens an dieser Stelle war der letzte Zuhörer vom Klangerlebnis begeistert, das die Musiker der Klassik-Akademie boten.

Das berühmte Englisch-Horn-Solo am Beginn des zweiten Satzes und die einfühlsam ausgestalteten Piano-Stellen luden zu einem träumerischen Ausflug ein, ehe im dritten und vierten Satz Melodien erklangen, die zweifellos Pate für manchen Hollywood-Western-Soundtrack gestanden haben.

Majestätisch erklangen die Schlussakkorde, die nochmals vom gesamten Orchester höchsten Einsatz forderten – eine kurze, gespannte Stille und Standing Ovations waren der verdiente Lohn des begeisterten Publikums für einen großen Konzertnachmittag.



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)