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2005 - Pressestimmen

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Großes Konzert mit hoffnungsvollen jungen Musikern
Abschlusskonzert als glanzvolle Darstellung musikalischer Talente

Mit Ludwig van Beethovens 1. Satz "Allegro con brio" aus seiner "Schicksalssymphonie" ("Sinfonie Nr. 5 c-moll. Op. 67") setzte das Sinfonieorchester der Kronacher Klassik AKADEMIE einen höchst exakten, effektvollen und wuchtigen Schlusspunkt hinter ein begeisterndes Konzert. Ein vielseitiges, kammermusikalisches wie orchestrales Konzert junger Künstler der Kronacher und Coburger Region, das Burkhart M. Schürmann nicht nur als Dirigent, sondern auch als aktiver Posaunist, zurückhaltend unaufgeregt und präzise leitete und zu wahren Höchstleistungen motivierte.

Barock kontrapunktisch zum zweiten, den sinfonischen Werken gewidmetem Teil, wurde das Konzertpublikum, das am Sonntagnachmittag in die Stadtpfarrkirche Kronachs strömte, von den "Fanfaren für 2 Trompeten, Horn und Pauke" von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) höfisch-festlich empfangen. Über das ebenso festlich gedachte "Cancon cornetto" für 4 Trompeten von Samuel Scheidt (1587-1654) sollte man den Mantel gnädigen Schweigens legen, da - einmal von der Verunsicherung angesteckt - alle Solisten Tempo, Rhythmus, Technik und Intonation verpatzten. Immerhin hielten sie alle Disharmonien ohne Unterbrechung mutig bis zum Ende durch.

Mit "Trumpet Voluntary" für achtstimmiges Blechensemble von Jeremiah Clarke (1670-1707) kam nach den einführenden Fanfaren mit reinen Klängen englisch royale Feierlichkeit mit klaren Hörnern und Posaunen und großem schönen Volumen. Drei Facetten höfisch barocker freudiger Willkommensmusik. - Mit dem "Allegro" aus den "Trois pièces brèves" von Jacques Ibert (1890-1962) für das Holzbläserquintett mit Romina Saak auf der Flöte, Livia Roschdi an der Oboe, Walter Gossel Klarinette, Thomas Linder Fagott und Christoph Latzel am Horn kamen neuzeitliche Stadtimpressionen in lebendigen Stimmungsbildern heiter und klar zum Klingen. Das Coburger Trio mit Anja Hannemann an der Flöte, Clemens Carl an der Violine und Janina Frankenberger an der königlichen Harfe vollendete diese impressionistisch-romantische Bilderzählung Jacques Iberts mit "Deux Interludes", einem tief romantischen lyrischen "Andante espressivo" und einem "Allegro vivo". In beiden Weisen zeigten die drei jungen Künstler einfühlsame Individualität ihres Instruments und ein harmonisches geschlossenes ausdrucksvolles Gemeinschaftserlebnis für alle Zuhörer.

Dieser kammermusikalische Teil des Konzertes mündete in einem zeitgenössischen Werk, einem "Carousel" für Marima und Vibraphon von David Friedman und Dave Samuels, mit dem Alexander Fickel - der auch alle Paukenschläge der übrigen Werke bekannt genau und differenziert setzte - und Günther Peppel (sein ehemaliger Lehrer an den Percussions) das Publikum in staunende Begeisterung versetzten. Ihre sanfte bis kontrast- und spannungsreich Performance konnte jedem den Atem verschlagen.

Mit "Maques et Bergamasques op. 112" von Gabriel Faurè (1845-1924) stellte sich im zweiten Konzertteil das große Orchester der Klassik AKADEMIE effektvoll und im klassischen Stil vor. Faurès Maskerade über die klassische-romantische Musik - mit den barocken Formen von "Ouverture", "Menuet", "Gavotte" und "Pastorale" - zeigte sich zu einem geschlossenen Streicherkörper die festliche genaue Präsenz der Holz- und Blechbläser, der volle Dialog der Streicherstaccatti mit den Pauken und ländliche Dialoge von Streichern, Holz und Harfe. Eine strahlende Vorstellung der zahlreichen jungen Künstlerinnen und Künstler in gut eingestimmtem Engagement durch den musikalischen Leiter Burkhart M. Schürmann.

Zwei gleichermaßen elegante und um reinen Ton in der schwierigen Transparenz und Harmonik sowie einem selten bewältigbaren Gleichklang bemühte Solisten, Johannes Klumpp an der Violine und Thomas Cutik an der Viola, gefielen hierauf mit dezenter Orchesterbegleitung und exakter Hörner mit dem Konzert für Violine, Violine und Orchester KV 364, der göttlichen "Sinfonia concertante Es-Dur" von Wolfgang Amadeus Mozart. Die kleinste Abweichung in der Feinabstimmung der Soloinstrumente und im Zwiegespräch mit dem kammermusikalischen Orchester macht dieses Werk so empfindlich. Johannes Klumpp und Thomas Cutik meisterten diese Herausforderung in ruhiger und klarer, bester Manier.

Nach Beethovens gewaltigem Eingangssatz zur 5. Sinfonie, dessen große Interpretation neben dem Dirigat Schürmanns die engagierte Leistung von Monika Herr als verantwortlicher Konzertmeisterin unterstrich, kamen die Künstler nicht ohne eine Zugabe, die Wiederholung der lebhaften und gewaltigen "Gavotte" von Fauré aus der emotional aufgeheizten Kirche. Musiker, Dirigent und die Organisation von Stephanie Simon haben eine geschlossene Leistung gezeigt, die schon neugierig macht auf das 3. Abschlusskonzert dieser jungen Formation.


Dr. Peter Müller



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

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in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)