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2009 - Werke


Das Programm der 6. Kronacher Klassik AKADEMIE steht ganz im Zeichen ungarischer Musik. Deren spezielles Lokalkolorit spiegelt sich in den ausgewählten Werken einerseits in direkt kompositorischen Eigenschaften wider (wie z. B. einer  Vorliebe für die harmonische Molltonalität und des so genannten "lombardischen" Rhythmus) und andererseits in einer programmatischen Bezugnahme auf typische Genre-Elemente des ungarischen Landlebens (Schäferidyll mit Dudelsack, Schweinehirtentanz etc.).

Unter Verwendung von selbst gesammelten Volksmelodien komponierte Bela Bartók zwischen 1905 und 1911 über 40 Werke für Klavier, aus denen er 1931 fünf besonders pittoreske Stücke auswählte, orchestrierte und zu den "Ungarischen Bildern" Sz 97 zusammenstellte. Der "Abend auf dem Lande" beschreibt eine unendlich friedliche Stimmung mit einer einsam klagenden Melodie über lang gehaltenen Streicher-Akkorden, im "Bärentanz" hören wir das Brummen des Tieres in der Tuba, der vierte Satz illustriert die beschwipste Fröhlichkeit eines Angetrunkenen und im "Schweinehirtentanz" nähern wir uns aus der Ferne einem fröhlichen Fest der Hirten, das den Hörer schließlich in einen wirbelnden Tanzreigen hineinreißt.

Der im ukrainischen Lemberg geborene Franz Doppler war zu Lebzeiten ein international gefeierter Flötenvirtuose, der nicht nur Werke für den eigenen Konzertbedarf komponierte, sondern mit einigen Opern für das Budapester Nationaltheater auch zum Mitbegründer einer ungarischen Nationalmusik wurde. Seine "Fantaisie hongroise pastorale" zeigt deutlich den Einfluss des sogenannten "Verbunkos", der sich im 18. Jahrhundert als Soldatenwerbungsmusik entwickelt hatte, durch ungarische Zigeunerkapellen verbreitet wurde und um 1840 im Csárdás aufging. Scharf punktierte Rhythmen, große Temposchwankungen, die Betonung des übermäßigen Sekundschritts in der harmonischen Molltonleiter sowie die vor Koloraturen und Kadenzen überbordende Virtuosität eines Soloinstruments sind seine typischen Stilmerkmale.

Leo Weiner galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als einer der führenden Musikpädagogen und Komponisten Ungarns. Einer gemäßigteren Moderne verpflichtet als seine Landsmänner Bartók und Kodály, befasste er sich wie diese mit ungarischer Volksmusik und fand so den Weg aus einer schöpferischen Krise. Sein drittes Divertimento mit dem Untertitel "Impressioni ungheresi" ist dem Dirigenten László Somogyi gewidmet und illustriert Eindrücke des ungarischen Landlebens mithilfe impressionistischer Klangmittel, die das Vorbild französischer Komponisten wie Bizet und Debussy erahnen lassen.

Zwischen 1839 und 1847 komponierte Franz Liszt eine erste Serie von Ungarischen Rhapsodien als virtuose Show-Stücke für Klavier. Ihre typische Form ist dem Verbunkos verpflichtet, der auf einen dramatisch langsamen Anfangsteil (Lassu) einen lebhaft schnellen Schlussteil (Friss) folgen lässt. Franz Doppler, den Liszt 1854 in Weimar kennengelernt hatte, bearbeitete später mit Einverständnis des Komponisten sechs der Rhapsodien für Orchester.

BMS



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)