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Paulus - Zum Werk


“Paulus” - Zum Werk

1831 erteilte der Frankfurter Cäcilien-Verein dem erst 22-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy einen Kompositionsauftrag für ein Oratorium über den Apostel Paulus. In Zusammenarbeit mit Julius Schubring entstand daraufhin ein Text, dessen Vertonung Mendelssohn 1834 begann. Zwei Jahre sollte es dauern, bis der Komponist seinen Oratoriums-Erstling im Mai 1836 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf uraufführen konnte.

Vor und während der Arbeit an seinem "Paulus" beschäftigte sich Mendelssohn gründlich mit der Tradition der Gattung. Berühmt geworden ist seine Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach im Jahr 1829, während weniger bekannt ist, dass Mendelssohn Anfang der 1830er Jahre auch einige Oratorien Georg Friedrich Händels bearbeitete. So verwundert es nicht, die Einflüsse beider Ahnherren auch im "Paulus" wiederzuentdecken. Von Bach stammen etwa die protestantischen Choräle und die in Rezitative eingebetteten Turba-Chöre, während die Gestaltung der eigenständigen Chöre mit fugiertem Mittelteil an Händel erinnert.

Inhaltlich beschreibt das Oratorium die Wandlung des Christen-Verfolgers Saulus von Tarsus zum christlichen Missionar. Anfänglich treffen wir ihn in der Menge der gesetzestreuen Juden, die den Christus-Jünger Stephanus als Gotteslästerer steinigen (Nrn. 4-8), gegen Ende entkommt Paulus selbst nur knapp einer Steinigung (37-38). Dazwischen ereignet sich die wundersame Bekehrung beim Einzug nach Damaskus, als Saulus von einem hellen Licht geblendet wird und eine Stimme fragen hört: "Saul, warum verfolgst du mich?" (14). Das Licht und die Erleuchtung spielen in dieser Geschichte eine zentrale Rolle; mal offensichtlich – in den Nummern 15, 29 und 31 – mal verborgen, wie im Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" (16), der sich auf das Gleichnis von den klugen Jungfrauen bezieht, die ihre Öllampen zum Leuchten bringen und so den rechten Weg zum Bräutigam finden. Just die Melodie dieses Chorals machte Mendelssohn zum Thema der Ouvertüre, an deren Beginn sie mottoartig erklingt, um dann zerlegt und variiert zu werden.

Musikalisch überwältigt der "Paulus" vor allem durch rhythmischen Schwung und melodische Innigkeit. Gelegentlich wurde ihm mangelnde Dramatik attestiert und bedauert, dass Mendelssohn nicht effektvollere Episoden aus der Biographie des Apostels vertont hat. Der aber war ja auch schließlich kein "Super-Hero" – führt doch die Wunderheilung des Lahmen zu Lystra zu einem geradewegs kläglichen Missverständnis! Nicht spektakuläre Taten und die äußerliche Befolgung geheimnisvoller Religions-Gesetze bringen uns Gott näher, sondern die Annahme und Weitergabe seiner Liebe durch den Glauben. Ist das nicht die zentrale Botschaft in der paulinischen Auslegung der christlichen Lehre?

BMS



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